Gastbeitrag von Dr. Franz Jürgen Schell: Schach im Netz Teil 2: Twitch.tv

„Tanzen, Singen – und Schach trainieren“


Ich kannte Twitch.tv bislang nur als eines der neuen, suspekten Medien, bei denen meine Kinder anderen dabei zusahen, wie diese irgendwelche Trickfiguren in sinnlose Schlachten steuerten. Dabei liefen im Chat (der Dialogspalte) unverständliche Kommentare der Zuschauer. Speziell dieser Chat macht aber tatsächlich einen wichtigen Unterschied zu Youtube aus, wo Kommentare nur nachträglich eingestellt werden: Kann hier doch in Echtzeit eine Frage gestellt oder ein Zug vorgeschlagen werden und der „Streamer“ kann darauf direkt eingehen und antworten. Bei dem Twitch-Champ und Social Media-Schachweltmeister Hikaru Nakamura geschieht das eher selten. Zu schnell rauschen die Textzeilen seiner Tausenden von Live-Zuschauern durch. Ganz anders in den „kleineren Runden“. Da ergeben sich manchmal richtige Gespräche. Als die Chatgruppe von Großmeister Gata Kamsky ihr Wissen über den früheren Weltmeister Alexander Aljechin (Angelsächsisch übrigens Ellekain genannt) zusammentrug, erwähnte ich dessen Neigung zu deutlich älteren Partnerinnen. Darauf sagte Kamsky auf meinen Lichess-Nickname anspielend: „Oh you are a real psychodoc.“


Gata Kamsky lebt derzeit in Straßburg und betätigt sich vorwiegend online.

Twitch-Streamer verdienen ihr Geld nicht nur mit Werbung vor der Übertragung, sondern durch Abonnements. Diese kosten 5 Euro/Monat. Da Twitch zu Amazon-Gaming gehört, hat jeder Amazon-Prime-Kunde ein Abo monatlich kostenlos. Frei zu sehen sind die Streams (Liveübertragungen) alle. Für Abonnenten gibt es Zusatzfeatures, meistens die Möglichkeit, gegen die Streamer zu spielen. Bei Kamsky, der immerhin mal zu den fünf besten Spielern der Welt gehörte, ist das jede Woche ein Simultan sowie ein thematisches Trainingsturnier mit wechselnden, vorgegebenen Eröffnungen und ein Chess960 Turnier. Dazu kommen auch hier in unregelmäßigen Abständen „Streamerbattles“ und das Angebot, ihn zum Blitzen herauszufordern.


Hier die Streamer-Battle Kamsky gegen Jobava, bei der ich mitspielte und – weil Jobavas Team zu wenig Spieler meines Ratings hatte – zu ihm wechselte. Dabei gewann ich auch noch, so dass mein eigentliches Team, also das von Kamsky verlor. Dumm gelaufen…
Die Qualität von Kamskys Analysen als Kommentare zu Großmeisterpartien und auch nur während der Blitz- und Simultanpartien sind außergewöhnlich gut und sehr lehrreich. Gerade bei positionellen Fragen und Endspielen kann man sehr viel lernen. Ich selbst finde den Preis für dieses Angebot (eine Simultanpartie für 1,25 €!) sogar fast peinlich günstig, aber man kann auch während der Streams etwas spenden.

https://www.twitch.tv/igmgatakamsky


Kamsky wirkt mitunter etwas „grantelig“, wie man in Süddeutschand sagen würde. Besonders deutlich wird das, wenn er Gegner in Verdacht hat, elektronisches Doping zu betreiben, also mit Hilfe eines Computerprogramms zu „cheaten“. Tatsächlich kommt das beim „Titled Tuesday“, wo er an einem Turnier für Titelträger teilnimmt, leider nicht allzu selten vor. Dort trumpfen mitunter Fidemeister mit einer Genauigkeit von 97 % in dreiminütigen Blitzpartien auf. Wären das reelle Ergebnisse, könnten sie es damit unter die Top 100 der Welt schaffen…
Ein spektakulärer Spielstil zieht automatisch mehr Publikum an. Der internationale Meister Eric Rosen spielt fast ausschließlich fragwürdige, aber interessante Gambits gegen seine Unterstützer. Der harmlos wirkende US-Amerikaner mit den traurigen Augen und einer sanften Stimme, mit der sich eine Yoga-Asana noch besser als das Stefford-Gambit erläutern ließ, beginnt so kaum eine Partie ohne Bauernvorgabe oder wildem Bauernvorstoß wie g4 oder h4.

https://www.twitch.tv/imrosen


Im Wettbewerb der vielen Schachmeister und Streamer auf Twitch sind Mehrfachbegabungen natürlich hilfreich. So unterhält die aus der Ukraine stammende und in Deutschland lebende AngelikaChessborn ihr Publikum in den Pausen zwischen den Partien mit Gesang.

https://www.twitch.tv/angelikachessborn


Musik und Schach passen gut zusammen, wie auch AngelikaChessborn belegt.


Ein anderes Phänomen ist der georgische Großmeister Baadur Jobava. Auch er pflegt einen spannenden, aggressiven Spielstil. Während der meisten Blitzpartien tanzt James Blunder, wie er sich auf Twitch nennt, vor der Kamera zu flotter Musik, von Hiphop bis Metal. Dabei verströmt er eine so ansteckend gute Laune, dass er als ideales Gegenmittel für jede Lockdown verstärkte saisonale Depression wirkt: https://www.twitch.tv/jamesblunder


Großmeister Baadur Jobava macht mehr Stimmung als mancher Discjockey.


Auch auf Twitch gibt es Kurioses zu bestaunen. So treten dort einige junge Damen auf, deren Talent für die eigene Figur deutlich stärker ausgeprägt ist als ihre Fähigkeiten beim Zug der Figuren auf dem Brett. Mit ihren ansprechend geschnürten Dekolletés könnten sie auch auf dem Oktoberfest reüssieren. Da sie speziell uns Ärzten aber weder schachlich noch anatomisch Interessantes zu bieten haben, sei darauf nicht weiter eingegangen.


Besonders beliebt sind bei den zahlenden Abonnenten die Simultanveranstaltungen. Kann man doch hier selbst gegen einen Großmeister, manchmal gar eine Legende, antreten. In der Regel erhält man ca. 30 Minuten Bedenkzeit plus Inkrement, also z.B. für jeden absolvierten Zug weitere zehn Sekunden. Damit ähnelt das schon fast einer „normalen“ Partie am Brett. Natürlich sieht der Großmeister, der doppelt so viel Bedenkzeit (bei 30 Gegnern) hat, in drei Sekunden mehr als unsereiner bei minutenlangem Nachdenken. Aber man ist nicht ganz chancenlos. Ein knappes Drittel der Partien gewinnt z.B. Kamsky im Schnitt nicht. Er verliert sehr wenig, aber ein Remis ist bei genauem Spiel doch manchmal erreichbar. Wenn sich der Simultanspieler bei der Bedenkzeit grob verkalkuliert, und er dann die Mehrzahl der Partien durch Zeitüberschreitung verliert, wie es The Big Greek schon mal passierte, ist das auch für seine Gegner nicht wirklich befriedigend.


Bei meinen eigenen Simultanteilnahmen steht es nach vier Partien zwischen Gata Kamsky und mir durch etwas Glück 2:2. In der ersten Begegnung hoffnungslos unter die Räder geraten, endeten Spiel 2 und 4 umkämpft im remis. In der dritten Partie hatte ich in einer wilden, völlig inkorrekten Variante eine Qualität verloren. Mit dem letzten Zug Th1-b1 wollte ich dem vorwitzigen Springer den Weg aus der Ecke erschweren und zugleich auf der siebten Reihe im Trüben fischen. Verständlich, dass Schwarz meine Dame aus der Nähe seiner Königsstellung vertreiben will, aber der letzte Zug Ta8-e8?? war ein „big blunder“, der sofort verliert. Alle Kollegen, die an den online-Turnieren des Ärzteschachs teilnehmen, werden das sicher schnell sehen. Wo wir dabei sind, falls sich jemand noch nicht angemeldet hat, hier noch einmal der Link zum Team: 

https://lichess.org/team/arzteschach.

Kleiner Hinweis: Tb1 gefiel mir auch deshalb so gut, weil sich aufgrund des gleichen Motivs ihm kein schwarzer Turm entgegenstellen kann.

Lösung: Dxe8! Gewinnt einen Turm, weil nach dem Schlagen der weißen Dame durch den Turm die schwarze Dame nicht mehr durch die Fesselung auf der f-Linie vor dem Schlagen geschützt ist.

Online Blitz im Februar

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schachfreunde,

am Mittwoch, 3. Februar 2021, findet um 20 Uhr das nächste Ärzteturnier auf LiChess statt:

– Fünf Minuten ohne Inkrement

– neun Runden nach Schweizer System

– zwei Minuten Pause zwischen den Runden

Der Link zum Turnier: https://lichess.org/swiss/nIQM3Nup


Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie dabei wären.





Zweites Turnier im Februar am Mittwoch, 17. Februar 2021, um 20 Uhr

– Drei Minuten mit Inkrement von zwei Sekunden

– neun Runden nach Schweizer System,

– zwei Minuten Pause zwischen den Runden

Der Link zum Turnier: https://lichess.org/swiss/h5FsmAT4

Caveat -Offizielle Ausschreibung zum Ärzteschachturnier 2021: neuer Termin

  1. Schachmeisterschaft für Ärztinnen und Ärzte 2021 20.bis 22. August 2021 in Bad Homburg v.d.H.
    Kurhaus – Hotel Maritim

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schachfreunde und -freundinnen,

wir dürfen hoffen, dass wir uns trotz Corona-Pandemie zu unserem diesjährigen Ärzteturnier wieder in Bad Homburg treffen können!
 
Der Verein Medchess e.V. lädt Sie zum 2. Mal als Veranstalter zu einem unbeschwerten, freundschaftlichen und kollegialen Wochenende in der positiven Anspannung interessanter Schachpartien nun zu Ende Mai nach Bad Homburg ein – erneut unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Alexander Hetjes.
 
 Programmablauf

Freitagabend 20.08.2021 um 19 Uhr Empfang durch den Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg, Herrn Alexander Hetjes, mit regionalem Buffet.
 
20 Uhr: Simultan und Blitzschach
 
Gegen 20 Uhr schließt sich das traditionelle Uhren-Handicap gegen GM Dr. med. Helmut Pfleger an und Simultanschach dieses Jahr gegen gegen einen weiteren, noch nicht feststehenden Großmeister.

Alternativ und parallel dazu: Blitzschachturnier

Samstag: 14 -18 Uhr Ausflug für Begleitpersonen nach Oestrich-Winkel mit Besuch des Brentano-Hauses geplant

Sonntag: Siegerehrung – Bitte seien Sie ab 13.20 Uhr wieder im Spielsaal.

Änderung der Bedenkzeiten:
Dank der Möglichkeiten elektronischer Uhren werden heute internationale Schnell- und Blitzturniere nicht mehr mit einer fixen Zeit, sondern mit einem Grundstock plus Bonus pro Zug gespielt. Dies vermeidet den hektischen und häufig zufälligen oder ungerechten Kampf um die letzte Sekunde mit „fliegenden Figuren“. Bei der neuen Blitzzeit von 3 Minuten plus 2 Sekunden pro Zug, bzw. Schnellschachzeit von 25 Minuten plus 5 Sekunden pro Zug hat man für die ersten 40 Züge geringfügig weniger Zeit, aber man hat eben immer noch die Möglichkeit, die Partie auf normalem Wege zu Ende zu bringen. Es gewinnt dann auch in der Schlussphase nicht der, der schneller zieht, sondern der, der die besseren Züge macht, was dem Geist des Schachspiels besser entspricht und die maßlose Hektik beseitigt.  Der Turnierzeitplan ändert sich hierdurch nicht.
 
Unsere beiden Turnierhotels unterstützen uns weiterhin großzügig und bieten auch die gleichen Konditionen wie letztes Jahr, wofür wir uns bei Herrn Direktor Grunder vom Maritim-Hotel und der Familie Petry vom Parkhotel sehr herzlich bedanken. Im Gegenzug sollten auch wir beide Hotels unterstützen

Hotelreservierung
Zimmerkontingente zu Sonderkonditionen stehen in folgenden Hotels zur Verfügung:
 
Maritim Hotel Bad Homburg
Ludwigstraße 3
61348 Bad Homburg v.d.Höhe

Telefon: 06172 660-138
Telefax: 06172 660-100
Mail: reservierung.hom@maritim.de
 
➮ Einzelzimmer mit Bad/WC zum Tagespreis von 97 Euro pro Zimmer
➮ Doppelzimmer mit Bad/WC zum Tagespreis von 140 Euro pro Zimmer
Stichwort „Ärzteschach 2021“
Storno kostenfrei bis 5 Tage vor Aufenthalt.
 
Parkhotel Bad Homburg
Kaiser-Friedrich-Promenade 53-55
61348 Bad Homburg v.d.Höhe
 
Telefon: 06172 / 801-0
Telefax: 06172 / 801-400
Mail: info@parkhotel-bad-homburg.de
 
➮Einzelzimmer mit Bad/WC zum Tagespreis von 85 Euro pro Zimmer
➮Doppelzimmer mit Bad/WC zum Tagespreis von 125 Euro pro Zimmer
 
Die aufgeführten Zimmerpreise verstehen sich jeweils einschließlich Mehrwertsteuer und Frühstück.
Bitte beziehen Sie sich bei der Reservierung auf die Schachmeisterschaft, da Sie nur dann den günstigen Sonderpreis in Anspruch nehmen können. Außerdem bitten wir Sie, die Zimmerreservierungen so früh wie möglich vorzunehmen.
 
Ihr Organisationsteam:
Prof. Dr. P. Krauseneck, Dr. H.-J. Hofstetter für „Medchess“
J. Dammann (Bad. Schachverband), Hauptschiedsrichter
Turnierleitung: Jürgen Dammann, Alexander Krauth (Dt. Ärzteblatt), Reinhold Faißt.
Organisation : Irene Steimbach (Bad. Schachverband), Damenprogramm: Helga Krauseneck

29. Schachmeisterschaft für Ärztinnen und Ärzte 2021 in Bad Homburg v.d. H.
Kurhaus – Hotel Maritim

20.-22.8.2021

 
Zeitplan
 Es werden insgesamt neun Runden an zwei Tagen gespielt. Die Bedenkzeit beträgt pro Spieler und Partie 25 Minuten plus 5 Sekunden Bonus pro Zug. Daraus ergibt sich folgender Zeitplan für die Meisterschaft (Änderungen an den Turniertagen vorbehalten):
 
Samstag, 21. August 2021
 
09.00 Uhr – 09.20 Uhr………… Begrüßung und Auslosung
09.30 Uhr – 10.30 Uhr………………………………… 1. Runde
10.45 Uhr – 11.45 Uhr………………………………… 2. Runde
12.00 Uhr – 13.00 Uhr………………………………… 3. Runde
 
Mittagspause
 
14.30 Uhr – 15.30 Uhr………………………………… 4. Runde
15.45 Uhr – 16.45 Uhr………………………………… 5. Runde
17.00 Uhr – 18.00 Uhr………………………………… 6. Runde
 
18.30 Uhr Mitgliederversammlung „Medchess“
 
Sonntag, 22. August 2021
 
09.30 Uhr – 10.30 Uhr………………………………… 7. Runde
10.45 Uhr – 11.45 Uhr………………………………… 8. Runde
12.00 Uhr – 13.00 Uhr………………………………… 9. Runde

13.20 Uhr – 14.00 Uhr …………………………………. Siegerehrung im Spielsaal

Anstehende Termine

Mittwoch, 6. Januar 2021, um 20 Uhr
Fünf Minuten ohne Inkrement
Neun Runden nach Schweizer System, zwei Minuten Pause zwischen den Runden
Link zum Turnier: https://lichess.org/swiss/YjxWvAPp

Wir würden uns freuen, wenn Sie mit von der Partie wären. Für neue oder gelegentliche Mitspieler hier nochmals der Link zum Team Ärzteschach: https://lichess.org/team/arzteschach

Zwei Wochen später gibt es dann schon das nächste Turnier mit Varianten bei der Bedenkzeit und dem  Inkrement:

Mittwoch, 20. Januar 2021, um 20 Uhr
Drei Minuten plus Inkrement von 2 Sekunden
Neun Runden nach Schweizer System, zwei Minuten Pause zwischen den Runden
Link zum Turnier: https://lichess.org/swiss/oGPBffbK

Schach im Netz Teil 1: Youtube

Ein formidabler Gastbeitrag von Dr. Franz Jürgen Schell

Romantiker, Kobolde und Dschungelcamper – die bunte Schachszene auf Youtube
Schach erlebt online einen ungeahnten Aufschwung. Darüber berichtete jetzt sogar die Sportschau:

https://www.sportschau.de/weitere/schach/video-corona-krise-sorgt-fuer-schach-boom-100.html

Der Boom betrifft nicht nur die Angebote selbst zu spielen unter Chess.com, Schacharena, Chess24 play.chessbase.com oder Lichess.org, wo ja auch regelmäßig unsere online Ärzteschaft Turniere stattfinden. Apropos: Für alle, die sich noch nicht angemeldet haben, hier noch einmal der Link zum Team

Ärzteschach: https://lichess.org/team/arzteschach.


Auch gibt es im Netz viel Schach zu sehen, zum Lernen und als Unterhaltung. Vermutlich kommen hier drei Faktoren zusammen, die das königliche Spiel befördern: Das gestiegene Interesse an einer Sportart, die als einzige im Pandemie-Lockdown online praktiziert werden kann, der Boom durch die Netflix-Serie „Damengambit“ und die „Arbeitslosigkeit“ von zahlreichen Schachprofis. „Over-the-board-Turniere“ finden derzeit fast nicht statt, Großmeistern fehlen die Einkünfte und so probieren sie die neuen, digitalen Vertriebswege. Dadurch ist das Angebot inzwischen riesig und kaum zu überschauen. Daher ist dies kein Review mit Anspruch auf Vollständigkeit, sondern lediglich eine Ansammlung von Kasuistiken, beruhend auf rein subjektiven Eindrücken.


Der Agadmator mit Ex-Weltmeister Anand.


Betrachten wir zunächst den Videokanal Youtube. Hier ist weltweit der Agadmator eindeutig „Schachweltmeister“. Der junge Kroate lud vor drei Jahren ein Hochzeitsvideo auf Youtube hoch und entdeckte dabei die Möglichkeiten der Plattform. Inzwischen hat er 900.000 Abonnenten, kündigte seine Arbeitsstelle und veröffentlicht hauptberuflich fast täglich ein neues Video mit einer Partie, die er kommentiert. Entweder von aktuellen Turnieren oder Klassiker. So gibt es schöne, historische Playlists wie die Paul Morphy Saga oder die Bobby Fischer Story. Der bekennende Schachromantiker ist Fan von Michael Tal und Raschid Neschmetdinow und bedauert jede vertane Chance, wenn das Evans-Gambit (e4-e5, Sf3-Sc6, Lc4-Lc5, b4) nicht aufs Brett kommt. Seine Kommentare sind Kult, das Design mit Fotos der Spieler ansprechend. Inzwischen produziert er auch Podcasts mit Top-Großmeistern und arbeitet an einem Schachmanga. Wie die übrigen Kommentatoren auch, fordert der Agadmator an kritischen Stellen der Partie auf, das Video anzuhalten und den besten Zug selbst zu tippen.


https://www.youtube.com/user/AGADMATOR


Der St. Louis Chess Club hat sich zum schachlichen Mekka der USA entwickelt und bietet eher Lehrvideos an.


https://www.youtube.com/channel/UCM-ONC2bCHytG2mYtKDmIeA

Einen Besuch wert sind auf jeden Fall die Kanäle zweier Engländer. Der eher britisch-zurückhaltende, Gentleman-like auftretende Großmeister Daniel King ist vielen als Kommentator auf Spiegel online bekannt.


Großmeister Daniel King


Auf dem Kanal PowerPlayChess zeigt er seine Begeisterung für kombinationsreiches Spiel. Dabei gräbt er interessante, ältere Partien aus oder kommentiert Aktuelles.


https://www.youtube.com/user/PowerPlayChess


Ganz anders, temperamentvoll, vor allem in den eigenen Partien, aber zugleich unterhaltsam ist Ginger GM, alias Simon Williams. Mit seinen feuerroten Haaren wirkt er wie ein keltischer Kobold, der entweder eigene Partien kommentiert oder auch Eröffnungen wie das Londoner System sehr gründlich erläutert.


Großmeister Simon Williams: Ginger GM is hot.


Inzwischen ist er mehr auf Twitch.TV als auf Youtube aktiv, auf diese Plattform werden wir später noch kommen. Der „scharfe“ Großmeister ist dabei mindestens so viel Entertainer wie Schachlehrer.


https://www.youtube.com/channel/UClV9nqHHcsrm2krkFDPPr-g


Alle bislang genannten Kanäle sind auf Englisch. Bei den deutschen Anbietern führt The Big Greek. Dahinter verbirgt sich der Schachjournalist und Internationale Meister Georgios Souleidis.


The Big Greek ist auf vielen Feldern aktiv.


Der studierte Kommunikationswissenschaftler startete seinen Kanal im Juni 2019. Dort vermittelt er Basiswissen, Taktik und zeigt Meisterpartien. Für zahlende Abonnenten („Subs“, kurz für Subscribers) veranstaltet er Turniere, Simultan und Wettkämpfe mit den Subs anderer Schachbetreiber.

https://www.youtube.com/channel/UCqY4_uXyOSwpbPpO4qiNDVA

Zur deutschsprachigen Nummer zwei hat sich der junge Großmeister Niklas Huschenbeth hochgearbeitet. Neben seinem Youtube-Kanal betreibt er noch eine professionelle online-Schachschule, in der er Trainingskurse per Video zum Erreichen der Spielstärken 1400, 1700 und 2000 DWZ anbietet: https://chessence.de/ Huschenbeth versucht bei seinen Partiekommentaren mitunter das Denken eines Großmeisters zu simulieren, in dem er laut Überlegungen anstellt und sie dabei so verlangsamt, dass der Amateur folgen kann.


Großmeister Niklas Huschenbeth blickt durch.


Sehr beliebt sind die „Streamerbattles“ zwischen den „Big Greek Aficinados“ oder auch „Spartaner“ genannt und den „Huschis“. Die Blitz-Paarungen orientieren sich an den Rating-Zahlen der Spieler und gehen von 1100 aufwärts. Köstlich die Reaktionen der Mentoren, wenn sie hilflos mitansehen müssen, wie sich Partien durch Nervosität, Zeitnot oder schlicht fehlender Übersicht komplett drehen. Auch wenn sie die guten Züge meist vergeblich ins Mikrofon rufen, denn der Stream läuft mit minimaler Zeitverzögerung, so dass die Spieler – selbst wenn sie entgegen der Regeln die Kommentare mithören – sie immer zu spät erfahren.


Kein Pokerface: Huschenbeth und Soleidis leiden mit.


So klar wie Huschenbeth in seinen Analysen ist, so leidenschaftlich geht er bei den Spielen mit. https://www.youtube.com/user/nichus2012


Übrigens bieten sehr viele Youtube-Kanäle auch Fanartikel wie Tassen und T-Shirts an, „Merchs“ genannt. Manchmal nur das Logo, gelegentlich auch mit charakteristischen Zitaten oder dem Konterfei des eher unbekannten Mr. Barnes, der Morphy mit seiner wilden Spielweise Paroli bot.
Noch mehr Entertainer als Schachspieler ist der Wahl-Hamburger Jan Gustafsson. Mit seinem trockenen Humor unterhält er bei „Geschwätzblitz“ und seinen „Lach- und Schachgeschichten“ auf Chess24, zu dessen Besitzern er gehört. Dabei spricht er mit Vorliebe über Trash-TV, neben Schach offenbar seine zweite große Leidenschaft.
Apropos – im Schach ist es wie im Fernsehen: In manchen Fällen verhalten sich individuelle Fertigkeiten und Sendungsbewusstsein genau umgekehrt proportional. Der Wirtschaftsprofessor Ulrich van Suntum führt seine Partien, die immerhin sogar Vereinsniveau erreichen, mit einer kindlichenLuci Begeisterung vor. Als erwähnenswerte Trophäe eines Titelträgers genügt dem selig lächelnden Senior unter den Schach-Youtubern mit der Basecap vermutlich schon der Sieg gegen einen Bade- oder Hausmeister.


Skurril ist auch der Ledator. Neben relativ normalen, schachlichen Lehrvideos zum Beispiel zu Endspielen liebt es der Schwabe, ausschweifend über die Objekte seiner größten Abneigung zu wettern: Amateurspieler. Die haben es ihm angetan, verderben sie doch das wunderbare strategische Spiel mit ihrem taktischen Firlefanz und ihrem Fetisch für hier völlig unangebrachten Sado-Maso-Praktiken wie Fesseln und Schlagen. Amateurspieler agieren doch tatsächlich so, als ginge es bei diesem edlen Wettstreit des Geistes nur darum, den Gegner irgendwie mattzusetzen. Unglaublich! Diesen verabscheuungswürdigen Amateurspielern ist alles zuzutrauen, so dass es nicht erstaunen würde, wenn der Ledator demnächst feststellen würde, dass sie auch für den Klimawandel und die Corona-Pandemie verantwortlich sind.
Youngster und zugleich „King“ in diesem Panoptikum ist Kugelbuch. Die schachlichen Fähigkeiten des Nachwuchstalents bleiben sehr überschaubar – „Mein Traum ist ein Rating von 1800“ –, aber dazu steht er und seine denglischen Kommentare strotzen vor Selbstbewusstsein: „Ich conneckte die Rooks und dann mate ich ihn mit Queen und Bishop“.


Je mehr Pfeile, desto mehr Schachkompetenz, davon ist Kugelbuch überzeugt.


Mit seinem Slang, der Internationalität simulieren soll und auch einfachste Aussagen very impressive klingen lässt, wirkt er wie ein Vertreter anstrengender Social Media Marketingagenturen. Die Jugend liebt den Schlaks auf seinem Entdeckungspfad oder besser pathway in den jungle der 64 squares und fiebert mit, ob das einzügige Matt tatsächlich gegeben oder die Queen ge-lost wird. Der Erfolg gibt dem mentalen Dschungelcamper recht.
Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere interessante und selbstverständlich auch gute Schach-Youtuber, auf die ich aus Platzgründen nicht eingehen kann. Diese warten auf Ihre Entdeckung, darunter auch Elisabeth Pähtz, die wir vom Ärzteschachturnier kennen.
Wer das „Damengambit“ auf Netflix gesehen hat und gerne noch einen längeren Blick aufs Brett geworfen oder gar eine der Partien von Beth Harmon analysiert hätte, dem können einige der erwähnten Youtuber helfen. Der Agadmator zeigte als erster mehrere Partien – und demonstrierte auch die realen Vorbilder. . https://www.youtube.com/watch?v=oIMaTKOZG-8 Wer es lieber auf Deutsch mag, der wird beim regen Griechen fündig. https://www.youtube.com/watch?v=f1ocwvA3djk


Und hier noch ein Rätsel. Wie hat Elizabeth Harmon in der Serie „Damengambit“ hier Harry Beltik in sieben Zügen Matt gesetzt? (Die Originalpartie ist von Neschmetdinow und der Screenshot vom Agadmator.)

Lösung:
⦁ Dg6.+ – Kg6:
⦁ T1f6+ – Kg5
⦁ Tf5+ – Kh6
⦁ T7f6+ – Kh7
⦁ Th5+ – Kg7
⦁ Tg5+ – Kh7
⦁ Lf5#

Neuer Termin für das Ärzteschachturnier 2021

Der geplante Termin für die Deutschen Ärztemeisterschaften vom 19.- 21.2. 2021 ist angesichts der jetzt schon bis 10. Jan festgelegten Corona-Einschränkungen leider nicht zu halten.

Erfreulicherweise konnte Herr Berger uns das Kurhaus als neuen Termin den 28. -30.5.2021 reservieren, zu dem wir trotz Corona sehr auf Realisierung setzen.

Wir hoffen sehr, dass Ihnen auch zu diesem Termin die Unterstützung unseres Turniers und die Teilnahme an der Begrüßungsveranstaltung am 28.5. 19 Uhr möglich sein wird.

Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen in Bad Homburg und wünschen Ihnen und der Stadt eine möglichst Corona freie Zeit.
 

Mit freundlichen Grüßen

Ihr


Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Peter Krauseneck 1. Vorsitzender Medchess e. V.

Potzblitz! Der 4.11. ist ein historischer Tag. Gut, dass wir nicht raus dürfen oder gar einen Präsidenten wählen müssen, denn:

am 4.11. um 20 Uhr findet das erste LiChess-Blitzschachturnier für Ärztinnen und Ärzte nach Schweizer System statt.

Wer Näheres über das Schweizer System erfahren möchte, kann diesem Link folgen:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Schweizer_System

    Wir spielen neun Runden mit fünf Minuten Bedenkzeit je Spieler. Zwischen den Runden gibt es mindestens eine Minute Pause. Sollte eine Partie vorzeitig enden, verlängert sich die Pause für die beteiligten Spieler bis zur nächsten Partie entsprechend.

Auch der Link zum nächsten Turnier am 4. November ist schon verfügbar:

Ansprechpartner sind

Josef Maus und Alexander Krauth (Turnierleiter)

Mail: info@aerzteschach.de

-1321Tage -20Stunden -13Minuten -33Sekunden

„Pflege des edlen Schachspiels“

Liebe Schachfreunde,

die neue Schachspalte von Dr. med. Helmut Pfleger ist auf ZEIT ONLINE erschienen. Im Mittelpunkt steht eine Partie aus dem Jahr 1995 (Tübinger Stadtmeisterschaften) zwischen Peter Schlotterbeck und Prof. Dr. med. Bernd Domres, der als einer der führenden Katastrophenmediziner weltweit gilt und vielen von Ihnen als langjähriger Teilnehmer an den Schachmeisterschaften für Ärztinnen und Ärzte bekannt sein dürfte.

Der Link zur Schachspalte auf ZEIT ONLINE: